Album Release Party im Kreuz / Fulda

Big Album Release Party der Mighty Vibez mit Dr Ring Ding und Mal Èlevè als Special Guests und den Irie Ites als Sound

Das versprach eine fette Party zu werden. Ausgerüstet mit Foto, Notizblock, Flyer und reichlich guter Laune machten wir uns zu fünft schön früh auf den Weg.

Schon im Auto heizten wir uns wie immer mit den richtigen Reggae Vibes kräftig ein und als wir schließlich ankamen –

nachdem wir uns ein paar Mal schön verfahren hatten – waren wir heiß auf Reggaemusik.

Der Türsteher lachte sich beim Kontrollieren der Karten erst mal richtig einen ab (Seb hatte auf Dr. Sebastiano bestellt…). Am Merchandise Stand verhalf uns eine freundliche Dame dann gleich mal zu einem Interview mit zwei Mitgliedern der Mighties: Daniel(DJ) und Paul (Sänger). Während alle unruhig auf den Beginn des Konzerts warteten, quatschten wir mit den beiden locker im Backstage Bereich und stellten ihnen unsere Fragen (Das Interview findet ihr am Ende des Berichts).

Wieder in der Halle, war die erste Vorband schon am spielen, Fabio von FURA SOUL, der 3 ruhige Lieder spielte, wovon wir leider sehr wenig mitbekamen da wir eingesperrt im Backstage Bereich festsaßen.
Danach kam Mal Élevé von Irie Revoltes zusammen mit den Irie Ites, dem Soundsystem des Abends auf die Bühne. Er legte sofort los und seine französischsprachigen Texte fanden sofort Anklang bei der Massive. Natürlich auch weil die Band sich schon einen Namen gemacht hat, spätestens seit ihrem zweiten Album „Voyage“ mit dem Hit „Soleil“. Seine Message war wie immer geprägt von sozialen Ungerechtigkeiten und vom Anprangern des Rassismus, wie in „Rebelles“.

Obwohl die wenigsten die französischen Texte verstanden, ging doch die ganze Menge auf den einzigartigen Style ab. Die politische Meinung und seine Haltung gegenüber der französischen Regierung zeigte er als Sarkozy mit Gummimaske, den er als Rassisten beschimpfte und voller Sarkasmus verspottete. Als er ging, wurde er durch „Zugabe“ – Sprechchöre zurück auf die Bühne skandiert, wo er dann das so beliebte „Soleil“ spielte, das der aufgeheizte Saal begeistert mitsang.

Wir waren schon ziemlich fertig als Mal ging und nachdem das Soundsystem ein paar Songs aufgelegt hatte, ging es weiter mit Dr. Ring Ding, einem sympathischen und fetzigen Veteran in der Szene. Wie Mal fand auch er gleich Anklang bei den Fans, nicht zuletzt wegen seiner überzeugenden Ausstrahlung und seinen zweideutigen Witzen - teilweise tief unter der Gürtellinie. „Call di Doctor“ als einer seiner ersten Songs brachte sofort die Stimmung wieder zum Kochen und es folgten Stücke wie „Doctor´s Darlings“, „Nice again“ und „Vom Vadda“. Er wechselte zwischen ernsten und hintergründigen, witzigen und versauten Songs, so auch „The Needle“, was ihm ein Auftrittverbot in Wien eingehandelt hatte. Dr. Ring Ding alleine hat mir (Alex) persönlich besser als am Chiemsee Reggae Summer gefallen, da seine Musik so weniger auf Ska-Einlagen sondern auf Texte und seine Person konzentriert war.

Außerdem gab er eine eigene Version von Gregory Isaacs „Night Nurse“ zum Besten.

Um halb elf verabschiedete er sich mit einer Zugabe und „Original Rootboy Style“, was uns sehr gut gefallen hat.

Dann begann das Warten auf die Veranstalter und „Headliner“: die Mighty Vibez. Die eingeschweißten Fans begannen immer wieder in Sprechchören            „Migh-ty Vibez“ zu rufen und die Menge schloss sich an. Nachdem das Soundsystem kurz aufgelegt hatte, schlich sich Daniel auf die Bühne und es wurde       dunkel im Saal.

Blaues Licht und Nebel ließen eine mystische Stimmung aufkommen und die ersten Töne von „Creator“ erklangen…

Das Licht ging an, die Mighties fingen an zu spielen…und der Saal? Der fing an zu springen.

Die Band machte ihrem Namen alle Ehre denn auf das erste Lied folgten Stücke wie „Ay-Jo“ und massierten uns die Ohren. Mit den Klasse Stimmen von Mischa, Paul und Daniel schafften sie es die Menge in absolute Begeisterung zu versetzen und so richtig tanzen zu lassen. Die Musik ließ einfach nichts zu wünschen
übrig: mit „We comin around“, „No chance for happiness“, „Ska Ska Cerveza“ oder „Never wanna lose“ spielten sie ihr altes und das neue Album rauf und runter. Dabei gefiel mir (Seb) vor allem die neue Version von „Oh Lord“ sehr gut. Die Fuldaer Massive sang jeden Refrain lautstark mit und ließ es sich nicht nehmen bei einigen schnelleren Skaigen Stücken auch mal zu pogen – ein echtes Heimspiel für die Mighties, die aus dem Spielen gar nicht mehr herauskamen, denn die Menge wollte mehr…somit nutzten sie die Gelegenheit und holten bei „In Control“ – dem „Give Thanks“-Riddim – noch einmal Mal Èlevè auf die Bühne…dessen „Merci“ brachte der Band ein wenig Erholung, die Menge aber hatte den Refrain schon nach dem ersten Mal raus.

  

Wir standen mittlerweile kurz vor einem Zusammenbruch und das Tanzen war mittlerweile schon fast Arbeit, denn die Vibes ließen uns nicht ruhen und zwangen uns regelrecht weiter zu dancen. Was Paul und Daniel vorher schon betont hatten bekamen wir jetzt zu spüren: es war Party-Reggae und die Folge war, dass es mit Klassikern wie auch mit Neuen Schinken – versetzt mit fetten Gitarrensolos, einem wahren Orkan an Trompetengebläse, der Baseline - für die Menge kein Halten mehr gab. Wunderschön war natürlich auch das schöne ruhige „Sweet´n´Nice“ und „Soulsista“. Als die Band bei der Zugabe das definitiv letzte Lied („Mighty Vibe“)bekannt gab, waren alle ein bisschen enttäuscht doch was sollten sie sonst noch groß spielen, nachdem sie fast ihr gesamtes Repertoire ausgepackt hatten und nun schon mehr als 90 Minuten ohne Pause auf der Bühne standen?

Wir blieben noch eine knappe Stunde im Kreuz, tanzten ein wenig zur Musik der beiden DJs und unterhielten uns kurz mit Mal, Daniel und Dr. Ring Ding.

Dann machten wir uns gegen halb zwei auf den Weg zurück nach Bad Kissingen bzw. Bayern, kaputt, ausgepowert, müde aber glücklich.
Danke Mighties für den fetten Abend mit so viel Power und guten Vibes, macht weiter so und bleibt eurer Musik treu!

Interview mit Daniel und Paul

                   

Wir haben uns erlaubt, nicht eure direkten, vollständigen Antworten niederzuschreiben,

sondern deren Inhalt zusammenzufassen und in eigenen Worten wiederzugeben

Alexander: Welche tiefere Bedeutung bzw. Idee steckt hinter dem Namen Mighty Vibez?

Daniel: Der Name an sich bedeutet nur, was wir mit unserer Musik wiedergeben wollen: fette Musik und Partyreggae zum Abtanzen und Feiern. In unserer Band vereinen sich Ska, Bläser und DJ mit Rap und Reggae, also wollen wir diese facettenreiche Musik im Namen einfach wiedergeben.

Alexander: Wie seht ihr die momentane Entwicklung in der Reggaeszene? Wenn ihr euch Bands wie Culcha Candela anschaut, die sich von den großen Firmen vermarkten lassen, indem ihre Message auf der Strecke bleibt oder wenn nahezu jede Band einen Song über die Legalisierung von Marihuana schreibt?

Daniel / Paul:
Ja, diese Entwicklung ist krass, aber uns ist es viel wichtiger den Leuten einfach gute Musik und eine fette Show zu bieten als Kohle zu machen und unbedingt ganz groß herauszukommen. Und wir schreiben keine Drogensongs, denn Musik ist mehr als kiffen.
Zwar haben wir auch schon unsere (schlechte) Erfahrung mit so etwas gemacht, aber für uns gehören Gras und Musik nicht zwingend zusammen, sie sind zwei Sachen für sich. Wir wollen nicht das Klischee erfüllen, sondern diese beiden Themen klar trennen, auch wenn wir an Kiffen nicht unbedingt etwas Schlechtes finden.

Sebastian: Welche konkrete Botschaft steht hinter euren Texten? Welche Ziele beabsichtigt ihr bzw. was wollt ihr anprangern?

Daniel / Paul: Wir wollen natürlich auch etwas sozialkritisch und politisch sein und bestimmte Themen ansprechen, aber im Vordergrund steht bei uns mehr Party als Conscious. Wir wollen nicht hauptsächlich anprangern, sondern Musik zum Feiern und Tanzen machen.


Sebastian: Lucky Dube hat einmal gesagt: „Wenn es bei Rasta darum geht Dreadlocks zu tragen, Marihuana zu rauchen und an Hailie Selassie als Gott zu glauben dann bin ich kein Rasta. Wenn es allerdings um ein bestimmtes soz., polit. Und persön. Bewusstsein geht, ja, dann bin ich einer.“ Wie steht ihr dazu? Welche Bedeutung hat für euch die Religion in der Musik? Gibt es einen Rasta unter euch?

Daniel / Paul: Natürlich sind wir alle für Ideale wie Freiheit, Demokratie und eine soziales Gemeinschaftsgefühl. Aber bei uns gibt es keinen puren Rasta außer vielleicht Mischa. Wir wollen auch nicht dieses Rasta-/Reggae-Klischee erfüllen, das überall verbreitet ist: Dreads, Kiffen und von Jah singen. Ich meine, die meisten Kriege werden wegen Religion geführt. Außerdem wollen wir uns in unserer Musik nicht einengen lassen sondern einfach alles spielen und von allem singen das uns gefällt. Aber im Song „Oh Lord“ zum Beispiel singt Mischa von Jah.

 
Alexander: Was für Pläne und Ziele habt ihr für die Zukunft, jetzt wo euer Album raus ist? Ist eine Tour in Planung oder tretet ihr dieses Jahr auf Festivals auf?


Daniel / Paul: Naja, zuerst einmal gestaltet sich eine richtige Tour mit Auftritten auf großen Festivals für uns relativ schwierig. Zum einen haben wir alle in das Album und die Werbung in der vergangenen Zeit ziemlich viel investiert. Das heißt durch das Konzert heute hoffen wir auch wieder einiges davon reinzukriegen.
Die Folge davon ist natürlich auch dass wir uns keine teure Booking Agentur bzw. ein Management leisten können, kurz alles selber machen wie auch Bewerbungen bei Festivals wie dem Summerjam. Da haben wir dann gegenüber anderen natürlich einen schweren Stand. Zum anderen sind wir 10 Leute, die alle noch ein Leben außerhalb der Band führen also arbeiten oder studieren, teilweise ziemlich weit weg. Die alle regelmäßig zu Konzerten zusammenzubringen und gemeinsam zu üben etc. ist ziemlich schwer. Aber wir treten dieses Jahr gleich 3-mal in Österreich auf, weil wir dort schon einen ziemlich großen Erfolg mit unseren letzten Auftritten gefeiert haben. Und dazu kommen Gigs, die dann über Mundpropaganda verbreitet werden und wie man am Beispiel Aschaffenburg
(Kolossaal) im letzten Jahr sehen kann ziemlich erfolgreich sind.


Alexander / Sebastian: Danke für eure Zeit und viel Erfolg bei eurem Auftritt.



Irie Grüße und Positive Vibrations,
Sebastian & Alexander