Africa
Festival Würzburg 2002
Ein
Bericht von Kersten
Am Donnerstag
den 30.05.2002 war es endlich soweit, daß erste große Festival für dieses
Jahr.
Pünktlich 10,00 Uhr ging
es los und ca. 11,30 Uhr hatten wir die paar Kilometer bis Würzburg bewältigt.
Übrigens „wir“, daß sind meine Frau Karin und ich, Kersten. In Würzburg
angekommen war unser erster Weg Richtung Campingplatz, an der ersten Einfahrt
angekommen wurden wir freundlich darauf hingewiesen, daß das Festival bis
Sonntag geht und wir eine „Reinigungspauschale“ von 10€ pro Person zu
entrichten hätten. Auf meine Entgegnung,
„Wir möchten aber Morgen wieder fahren“, wurde uns mitgeteilt daß dies
nicht ginge, da der Platz bis zum letzen gefüllt würde und dann für Fahrzeuge
geschlossen wäre. Wenn wir eher fahren wollten müßten wir unser Glück auf
dem Platz für Wohnmobile versuchen, also auf zu den Wohnmobilen.
Dort gab es auch keine Probleme mit dem Platz, allerdings mußten wir unsere
20€ Obolus auch für nur eine Nacht entrichten, aber OK wir waren froh einen
Platz gefunden zu haben.

Nach dem Zeltaufbau und
einem kurzen Spaziergang am Main sind wir dann auch sofort Richtung Festivalgelände
gegangen und haben uns in die riesige Menschenmenge am Eingang integriert. Das
Erste was uns sofort ins Auge fiel war eine riesige Tafel mit den gesamten
Verboten, darunter auch das Verbot jegliche Getränke mit in das Gelände zu
nehmen. Zu erst macht dieses für mich auch einen Sinn, ich dachte es ginge
dabei um eventuelle Verletzungsgefahr durch Scherben oder einfach darum, daß
sich die Leute nicht gegenseitig die Köpfe mit Glasflaschen einschlagen. Aber
wir sollten eines Besseren belehrt werden. Nachdem dann endlich das Tor geöffnet
wurde und wir die üblichen Querelen über uns ergehen lassen mußten, wie
Taschenkontrollen, fast schon komplette Leibesvisitationen und das Problem, daß
keiner der Sicherheitskräfte irgend einen Überblick über die 6 verschiedenen
Eintrittskarten zum Festival hatte, hatten wir es endlich geschafft, wir waren
„Drin“.

Nach einem kurzen
Rundgang über den, fast noch leeren, Basar hatten wir natürlich erst ´mal
Durst, also los zum nächsten „Getränkestützpunkt“.
Nach kurzem Überblicken der Preistafel mußten wir feststellen, alle Getränke
egal ob Wasser, Limo oder Bier ein Preis 2,50€ pro Glas oder Flasche und da
kam bei mir das erste große „AHA-Erlebnis“ des Tages. Es war also nicht die
Sorge um die Sicherheit der Leute, sondern einfach nur Profitdenken der
Veranstalter, daß man keine Getränke mitbringen durfte denn alle Getränke
wurden in Gläsern oder Glasflachen ausgeschenkt. Wieder was dazugelernt,
je mehr Verbote desto größer der Gewinn. Nach diesem kurzen „Getränkeschock“
haben wir es uns dann auf der Wiese vor der kleinen Bühne gemütlich gemacht
und warteten auf das „Opening Tam Tam“ mit Trommlern aus West Afrika, aber
wie in Afrika üblich, alles dauert etwas länger und nur kein Streß. Wir
kennen das ja von unseren Afrikareisen und freuten uns gleich auf den diesjährigen
Trip, denn nichts ist beruhigender als das allgegenwärtige :
„NO
Problem in The Gambia“ .
Nach kurzer Verzögerung
war es dann auch soweit und alles strömte zur Bühne, wir waren natürlich die
Ersten.
Es begann ein Wahnsinns Feuerwerk aus Trommelrhythmus und Tanz, der ca. 1,5
Stunden ohne Unterbrechung dauerte, selbst als sich die Tänzer zwischendurch
umzogen machten die Trommler im gleichen Rhythmus weiter. Unserer Meinung nach
der gelungenste Auftakt für ein Afrika Festival überhaupt. Leider war nach
diesem Konzert das Programm auf der offenen Bühne für Donnerstag vorbei und
bis zum Abendprogramm dauerte es noch 2 Stunden.
Nach dem „Opening“ war dann die offizielle Eröffnung, mit Botschaftern
e.t.c. geplant, da uns dies aber zu „Offiziell“ war sind wir lieber noch ´mal
über den Basar geschlendert und haben anschließend
etwas Hunger bekommen, also auf zum nächsten afrikanischen Stand und
etwas zu Essen organisieren.
Dort kam der nächste Schock ein
kleiner Teller Couscous mit Gemüse und Soße, eigentlich nur ein kleiner Imbiß
für zwischendurch, 8€ nach kurzem tiefen lufthohlen waren wir uns dann einig,
bei Essen und Getränken werden die Preise großzügig ignoriert denn sonst wären
wir wahrscheinlich verhungert oder doch zumindest bei fast 30°C verdurstet und
da es uns ausgezeichnet geschmeckt hat haben wir uns hinterher noch mal das
gleiche gegönnt.

Inzwischen war es auch
langsam Zeit, daß wir uns in Richtung Zelt in Bewegung setzten den wie man
sehen konnte häuften sich dort die Leute langsam.
Wir hatten bei unseren Rundgängen über das Gelände zwar gesehen, daß das
Zelt von dem übrigen Festivalgelände nochmals mit einem Zaun abgetrennt war
uns darüber aber keine Gedanken gemacht. Nachdem wir es endlich bis zum Tor
geschafft hatten mußten wir aber feststellen, daß die bayrische Staatsmacht
noch eine Überraschung , in Form von Security Leuten, für uns parat hatte -
eine nochmalige Taschenkontrolle- und dieses obwohl man das Gelände gar nicht
verlassen konnte. Aber bei dieser Kontrolle wurde speziell nach so gefährlichen
Dingen wie Videokameras,
Fotoapparaten, Digitalkameras und Deosprays gesucht, glücklicherweise ist es
mir in dem allgemeinen Gedränge und der Unkundigkeit der Sicherheitsleute
über die Existenz von Abendkarten gelungen meine Kamera einfach mit
zunehmen.
Überhaupt
ist es mir unverständlich warum das Abendprogramm in einem separaten Zelt und
abgeschottet vom übrigen Treiben des Festivals gebracht wird. Hier ging es
wieder nur um Eins. Geld. Nur wer zahlt darf auch was hören und sehen.
ok. man muß ja nicht alles verstehen.
Im Zelt haben wir gleich
versucht einen guten Platz an der Bühne zu finden nachdem uns dies auch
gelungen ist bin ich nochmals in den Vorraum gegangen um noch etwas Trinkbares für
die Dauer des ersten Konzertes zu holen, denn in dem Zelt herrschte eine extreme
Wärme. Bei meiner Rückkehr sah ich sofort an dem Gesicht von Karin das der
Streß an diesem Abend noch nicht vorbei war, auf meine Frage was denn los sei
sagte sie nur „ die Bayern spinnen ein bißchen, hier im Zelt ist absolutes
Rauchverbot und außerdem macht die Security dauernd Streß wegen
fotografieren“. Ich war deswegen zwar etwas genervt aber in Erwartung des
Konzertes war mir so ziemlich alles egal.

Endlich war es soweit Famoudou
Konate und seiner Band (Djembe Musiker aus Guinea) betraten die Bühne und
lieferten ein fabelhaftes Konzert das ca. 2 Stunden dauerte, die Stimmung im
Zelt war so langsam am kochen – die richtige Atmosphäre für das was als nächstes
kommen sollte. Nach einer sehr kurzen Umbaupause war es dann auch soweit, das
Highlight des gesamten Festivals (jedenfalls für uns), Ismael Isaac von der
Elfenbeinküste, er lieferte ein absolut geniales Reggaekonzert mit einigen
Zugaben und die Stimmung war am überlaufen. Dieses Konzert war für uns
eigentlich das Beste was wir in letzter Zeit überhaupt gehört haben

Nach
einer geruhsamen Nacht im Zelt und einem guten Frühstück sind wir dann am
Freitag gegen Mittag erst mal nach Hause gefahren,
da uns die Konzerte am Freitag und Samstag nicht unbedingt interessiert
haben und man schließlich nicht nur das Festivalgelände rauf und runter laufen
kann.
Aber am Sonntagmorgen sind wir wieder zeitig losgefahren und waren kurz nach
10 Uhr wieder auf dem Festival.
Eigentlich war am Sonntag nur Hip Hop geplant aber kurzfristig hat dann
„Gentleman“ noch zugesagt und den wollte ich dieses Mal nicht verpassen.
Ich war eigentlich von seiner Musik nie unbedingt begeistert aber nach den
Kritiken die sein letztes Album bekommen hat wollte ich mir das nicht Entgehen
lassen und es hat sich gelohnt ein sehr gutes Konzert, einige Zugaben und natürlich
die entsprechende Stimmung bei den Leuten vor der Bühne, bei einigen Mädchen
war es eigentlich schon keine Euphorie mehr sondern eher schon Hysterie aber bei
dem Konzert konnte man das nur verstehen, es war einfach genial. Leider hatten
wir bei diesem Konzert nicht das Glück direkt an der Bühne zu stehen, denn die
meisten Leute sind nach den vorangegangen Hip Hop – Konzerten („Eleyo“ aus
Kuba und „Prophets of da City“ aus Südafrika) einfach sitzengeblieben, so
daß wir ziemlich weit hinten standen. Da wir für das Abendprogramm keine
Karten hatte und uns Afro-Pop auch nicht so sehr interessierte haben wir uns
noch ein preiswertes Abendessen gegönnt und nach einem „Abschlußbier“ sind
wir gegen 19.00 Uhr wieder Richtung Heimat gefahren.

So damit soll mein Bericht vom diesjährigen Africa Festival enden, auch wenn
ich in diesem Bericht einige negative oder sogar etwas nervige Begebenheiten
geschildert habe soll das auf keinen fall heißen, daß wir uns dies zu
Herzen genommen haben und unsere positiven Eindrücke dadurch geschmälert
wurden, die positive Seite dieses Festivals hat auf alle Fälle überwogen und
wir lassen uns die Stimmung nicht von kleinen Unzulänglichkeiten vermiesen.

