

2003 ![]()
Story
by
Regina Regenbogen
Rototom,
Udine, Italien, 5.-12-7.2003
Man hat
Abitur, man hat viel freie Zeit, man hört von einem einwöchigen Festival und
man fährt natürlich hin: mit seinem Exfreund (Paul), dessen Kumpel (Markus),
dem Bruder des Kumpels (Thomas) und natürlich einem Fahrer (Inus)… 4 Männer
und ich.
Am Freitag,
den 4.7. stimmten wir uns erstmal mental und körperlich auf unser Abenteuer mit
Grillen bei Markus und Thomas und der anschließenden, monatlichen Reggae
Vibration im Swinger mit Markus als DJ ein… Voller Vorfreude ging es dann
gegen 3:30h morgens nach Ende der Party direkt nach Italien. Obwohl wir nur 3 ½
Stunden brauchten, schaffte es keiner (ausser Inus, give thanks and praises…)
wach zu bleiben und so hätten wir es auch beinahe gar nicht erst nach Gemona
geschafft (bzw viel zu weit). Zufällig erwacht erwähnte ich 8km vorm
Festivalort, dass wir ja bald da seien und überraschte damit die anderen
ziemlich, die eigentlich noch mindestens 30km weiter nach Udine gefahren wären…
Gut. Angekommen. Parkplatz gesucht, letzte Tickets gekauft, Zeltplatz gesucht, Zelte aufgebaut, befreundetes Soundsystem Everest Sound und deren unbeschreibliche Nachbarn (Martin und Quattro aus Forchheim) getroffen bzw. kennengelernt…
Tag 1: Nachdem alle stinkefaul in ihre Zelte verschwunden waren und Inus und ich wegen der Hitze keine Ruhe finden konnten, entschieden wir beide uns zu einer Besichtigung des Festivalgeländes. Wir waren positiv überrascht: ein großer Markt, der dem Käuferherz wirklich nichts vorenthält, Essenstände mit allerlei Köstlichkeiten, „Supermarktstände“ mit dem Nötigsten für den Camper, Filmzelt und Treffpunkte für die Workshops (Didge, Trommeln, Capoeira, Meditation…), der Fresh Yard mit guten Soundsystems am Start, eine Dancehall und vor allem soviel Platz vor der Bühne, dass man sich auch mal ganz gemütlich hinchillen kann ohne Angst haben zu müssen niedergetrampelt zu werden. Im Gegensatz zum Rest der Truppe am Nachmittag noch fit wie ein Turnschuh ließ meine Energie gegen Abend stark nach und so ließ ich mir Israel Vibration entgehen (hatte sie innerhalb des letzten Jahres eh schon zweimal gesehen) und schlüpfte ins Zelt (wo Paul, die Lusche, schon oder noch schlief).
Tag 2: Eigentlich wollten wir nur den berüchtigten Fluss in der Nähe des Festivals suchen, aber nachdem Inus mit unseren beiden kennengelernten Franzosen Simon und Elijah und seinem Auto nach einer Stunde immer noch nicht von der Bank zurückgekehrt war, gab ich das warten auf und verbrachte den Nachmittag auf dem Festivalgelände, diesmal mit Mike von Everest. Am frühen Abend dann mein erster persönlicher Must-Auftritt von Seeed. Zur besseren Kommunikation sangen sie die meisten ihrer Songs mit englischen Texten, brachten dem Rototom, das dieses Jahr zum 10. Mal stattfand, ein Ständchen und versuchten sich außerdem auch mit etwas italienisch, was aber bei dem hohen Prozentsatz Deutscher im Publikum (zum Schluss wurde „Zugabe“ gerufen) wohl gar nicht nötig gewesen wäre, allerdings auf jeden Fall eine nette Geste war! Im Anschluss spielten Sud Sound System (darf ich sie als italienische Seeed beschreiben?) und Misty in Roots… Unschlagbar an diesem Abend: Supersüße und superleckere Rototom Geburtstagstorte – natürlich umsonst und soviel man wollte!
Tag 3: Den Tag verbrachte ich ausnahmsweise nicht auf dem Festival, sondern am „Fluss“, der Dank der Hitze eher einem Bächlein glich… Erfrischend war er trotzdem und die 45 minütige Wanderung („… so etwa in die Richtung vielleicht…“) über Wiesen, durch Wälder, vorbei an Bergen und in einer ausgetrockneten, schattenlosen Flussbettsteppe ein echtes Abenteuer. Am Abend durfte ich zum ersten Mal Buju Banton live erleben (als er 2000 am CRS war, hab ich ihn leider verpasst) und war wirklich sehr begeistert… Wie hält das der Mensch nur durch so zu tanzen, zu springen, so herumzuflippen und dazu noch zu toasten und zu singen…? Big up! Im Anshluss daran trat Burning Spear auf. Seine Percussion-Einlagen sind wirklich einmalig… wär ich nur nicht so erschöpft gewesen, hätt ich es mehr genossen… so viel ich danach ins Zelt (wo Paul wie immer schon längst war…).
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Tag 4: ??? Ich glaube ich war wieder am Fluss… Oder mit Flo von Everest unterwegs? Wer weiß..?! Nach einer gewissen Zeit auf einem Festival ist irgendwie jeder Tag so ähnlich… Nun ja, auf jeden Fall war mein erster Auftritt des Tages Junior Kelly, den ich aber aufgrund tiefgründiger Gespräche mit Flo nicht mit 100%iger Aufmerksamkeit verfolgte… Aber ich weiß er war genial (wir führten die Gespräche ja vor der Bühne)… Im Anschluss an die Conscious Voice, Gott, die Welt und einem Stück Pizza (sind ja schließlich in Italien) wagten wir uns dann doch noch mal zu Jimmy Cliff (der mir eigentlich ein bißerl zu süßen Lover’s Rock macht) und ließen uns schließlich doch noch zu einem unglaublichen starken Ausdruckstanz zu „I can see clearly now“ und anderen Klassikern hinreißen. An diesem Abend war ich fit und so ging es endlich mal in die Dancehall. European Connection war das Thema der Nacht und G-Force Sound aus Wuppertal clashte sich mit Bashfire aus Italien… Leider konnte auch Mikes Gesangseinlage das deutsche Soundsystem nicht mehr retten als es Dank der Technik bzw der Lautstärke (oder sollte man treffender Leisstärke sagen?) ziemlich bergab ging… Und den Clappas haben sie auch nicht gespielt!
Tag 5: Lange Nacht – Sehr müde… Und an Schlaf ist übrigens ab 10 Uhr eh nicht mehr zu denken… sun is shining… Tagsüber wieder das volle Flussprogramm, das sich inzwischen dank einer gefundenen Abkürzung streckenmäßig nicht mehr so lange gestaltet… Am Abend (es ist so bitter, ich möchte gar nicht drüber nachdenken) lag ich völlig kaputt vor dem Zelt (Paul wie immer drinnen) und hörte mir Anthony B. an, der auf der Hauptbühne spielte… Police zu hören und soweit weg zu sein, kann sich jemand diese Qual vorstellen? Und auch die Wailers bekam ich nur audio mit (bis ich schließlich während „One Love“ selig entschlummerte)…
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Tag 6: Überraschung, heute mal kein Baden am Nachmittag, sondern die I-Shen Rockers am Nachmittag im Fresh Yard und im Anschluss daran „Schaufensterbummel“ auf dem Markt mit Quattro, der an meinem Durst („Wasser, jetzt sofort auf der Stelle!“) fast verzweifelt wäre… Erster Act des Abends: Patrice zusammen mit Shashamani. Ich mag ihn wirklich und will eigentlich nix schlechtes über ihn sagen, aber mir kam es doch stark so vor, als wäre unser Herr Bart-Williams ziemlich gelangweilt gewesen… Man kann eben in einem Land, wo man nicht bekannt ist, nicht solche Jubelstürme erwarten wie sie einem vielleicht am CRS oder bei der Solo-Tour entgegengebracht werden… deswegen kann man sich aber doch trotzdem Mühe geben, oder nicht? Nun gut… Abijah, den ich vorher noch gar nicht kannte, inzwischen aber sehr schätze, betrat als nächster die Bühne und wurde von derselben Backing Band wie LMS, die im Anschluss spielten, unterstützt. Den Abschluss des Abends bildeten der legendäre Toots und die Maytals, auf den sich Paul mit Abstand am meisten gefreut hatte... (Und so befand er sich mal nicht im Zelt, sondern vor der Bühne)
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Tag 7: Was kann man sagen? Nachmittags Fluss, Abends Bühne… Heute auf dem Programm: Junior Reid und Morgan Heritage. Bezüglich des Erstgenannten kann ich leider nicht gerade viel erzählen… Erinnerungsvermögen… ja ja… aber Morgan Heritage erfüllten all meine Erwartungen (die ich nach dem super Auftritt von LMS am Vortag doch ziemlich hochgesteckt hatte)!
Tag 8: Unser letzter Tag und wieder befanden wir uns am Fluss… nachdem ich aber als fleißige Jäger und Sammlerin eifrig alles bunte, was so des Weges lag, aufgesammelt hatte, hielt ich nun (besser spät als gar nicht) endlich mal ein übersichtliches Programm in den Händen und musste mit Entsetzen feststellen, dass wir eine ganze Menge (Filme, Workshops, Diskussionen,…) verpasst hatten. Torschlusspanisch wanderte ich zurück zum Zelt (natürlich wie immer mit Zwischenstop bei Quattro), zog mir was an, um die bezahlten 110 € noch irgendwie auszukosten… Auf meinem kulturellen Nachmittagsprogramm stand dann „Lee Perry Unlimited Destruction“, uno documentario (dt. ein Dokumentarfilm), als Einstimmung auf Scratchs späteren Auftritt… Faszinierend… Zwar leider etwas unverständlich, aber flashig… viele Spiegel… Einhornköpfe… und noch mehr Spiegel. One Scratch later stand der kleine Mann in Natura vor mir… Die rote Hose, passend zum kleinen roten Trickot gerade kurz genug um die Union Jack Socken in all ihrer Pracht zu präsentieren… Spiegel-Gürtel, Spiegel-Kappe, Spiegel-Schuhe natürlich all-inclusive zum Dub… zu DEM Dub! Unseren Abschluss bildeten in der Notte Numero Otto (ja, es waren tatsächlich acht Nächte… schon eine nette Zahl, wie ich finde) des 10. Rototom Sunsplash die brasilianischen Trommler von Olodum… Ein Kindheitstraum ging in Erfüllung, als ich sie endlich live erleben durfte und meine Füsse waren nicht mehr zu halten. Wirklich ein Erlebnis für sich und dank der Sänger meiner Meinung nach auch völlig Reggae-Festival-kompatibel. Nach einem letzten kurzen Abstecher in die Dancehall, in der in dieser Nacht Big Bashment mit Stone Love angesagt war, und zum Klo, wo ich das Barrington Levy Konzertplakat als Erinnerung (Jäger und Sammlerin, wie gesagt) abmachte und mitnahm, packten wir unser Zeug in den Kofferraum und fuhren schnurstracks zurück in unsere oberbayrische Heimat…
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Bless
and Love an die Rototom Massive!